13.04.2022 // AK Nachhaltiger Konsum: Interview zu Abfallvermeidung Recycling

München auf dem Weg zur Zero-Waste-Stadt: Was konnte schon erreicht werden, wo besteht weiter großer Handlungsbedarf? Regina Bichler. Doktorandin an der LMU, interviewte dazu Barbara Niegisch, Leiterin des AK Nachhaltiger Konsum.

Ein Hauptthema im Gespräch: Münchens Umgang mit Verpackungsmüll. Die ÖDP setzt sich im Stadtrat seit längerem für die Einführung der Wertstofftonne ein. Denn die Landeshauptstadt ist Schlusslicht beim Einsammeln von Leichtverpackung. Als einzige Großstadt in Bayern bietet sie weder Gelben Sack noch Gelbe Tonne. Durch die praktizierte Deponiesammlung wird deutlich weniger und dazu noch schlechter sortiertes Material eingesammelt. Über die verbraucherfreundliche Wertstofftonne könnten Verpackungen, Plastik sowie Metall entsorgt und so die Recyclingquote erhöht werden.

Ein weiteres ÖDP-Anliegen ist die finanzielle Förderung von sog. „zirkulärem Bauen“, das Zero-Waste-Prinzipien, Urban Mining und Cradle to Cradle berücksichtigt. In Deutschland fallen jährlich ca. 200 Mio. Tonnen Bau- und Abbruch-Abfall an, die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens. Nur etwa ein Drittel wird wiederverwendet, vor allem durch Downcycling im Straßenbau. Pilotprojekte zeigen aber: Eine Wiederverwendung von Bauteilen oder Materialien wie Fenstern, Ziegeln oder Sanitärobjekten ist möglich, schont Ressourcen und lohnt sich langfristig auch finanziell.

„Die Stadt muss es jedoch auch den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern erleichtern, Müll im Alltag von vornherein zu reduzieren“, so Barbara Niegisch. „Das heißt Mehrwegsysteme für ToGo-Speisen verstärkt fördern und etablieren – angefangen bei den städtischen Einrichtungen. Oder die bewährten Bücher- und Kreislaufschränke als Standard in jedem Viertel, damit gut Erhaltenes unkompliziert weitergegeben werden kann.“

Im Gespräch ging es auch um das Thema Kleinstmüll. Dem achtlosen Wegwerfen von Zigarettenkippen, Kronkorken und ähnlichem ist nur schwer beizukommen. Temporäre Schwerpunktkontrollen, Aufklärungs- und Cleanup-Kampagnen oder spezielle Abfallbehälter erzielen bislang leider nur punktuelle Erfolge.

Frau Bichler promoviert zum Thema „Zero Waste Cities“ und wird bald für ein Forschungsjahr nach Japan gehen, wo die Stadt Kamikatsu als Vorbild in Sachen Zero Waste gilt. „Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt bei der Frage nach den sozialen Praktiken, wie also Zero Waste positiv von der Stadtbevölkerung angenommen und im Alltag umgesetzt wird“, so Regina Bichler.

„Wir werden weiterhin im Austausch bleiben“, ist sich Barbara Niegisch sicher. „Für unseren Arbeitskreis ist es von großem Interesse, wie sich Erkenntnisse aus Japan gegebenenfalls auf München übertragen lassen, damit Zero-Waste-Praktiken zur Gewohnheit werden.“

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