Fatale Fehlplanung Freiham II. - ÖDP-Stadtratsgruppe fordert Antworten

Nächste Woche wird der Planungsausschuss über den zweiten Realisierungsabschnitt Freihams abstimmen. Was von vielen auf die populistische Frage „Für Wohnungsbau – ja oder nein“ reduziert wird, ist in Wahrheit viel komplexer.

Wie sollen die künftigen Bewohner in die Innenstadt kommen? Wer finanziert die U 5? Welche Straßen können ertüchtigt werden? Wie können wir es schaffen, dass die jetzigen Anwohner in den umliegenden Vierteln nicht über die Maßen belastet werden? Wie wirkt sich eines der größten Neubaugebiete Europas auf das Stadtklima aus?

Seit vielen Jahren beschäftigt das Thema Freiham daher örtliche Bezirksausschüsse und Vereine, Anwohner, Planungsexperten und damit auch den Stadtrat. Zahlreiche Machbarkeitsstudien wurden in Auftrag gegeben, Fragenkataloge eingereicht. Antworten gibt es noch immer sehr, sehr wenige – und das, obwohl der erste Realisierungsabschnitt schon bald 10 Jahre alt wird. Zwar beteuert das Planungsreferat, dass die Klärung dieser Sachverhalte im Rahmen der Untersuchungen nachgereicht würde. Dies ist bisher jedoch noch nicht geschehen, obwohl diese Untersuchungen bereits seit Anfang an laufen.

Die ÖDP-Stadtratsgruppe wird den Aufstellungsbeschluss zum zweiten Realisierungsabschnitt Freiham ablehnen, bis diese Fragen geklärt wurden. In einem Antrag zur dringlichen Behandlung bitten wir nochmals um die bereits mehrfach geforderten Informationen. Wer aufgrund der jetzigen Faktenlage dem Aufstellungsbeschluss zustimmt, stürzt den Münchner Westen sehenden Auges ins Chaos und verspielt schon jetzt die Lebensqualität der bestehenden und künftigen Anwohner.

ÖDP-Stadtrat Johann Sauerer, planungspolitischer Sprecher: „Das Planungsreferat und der Münchner Stadtrat haben ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht. Noch nicht einmal die offenen Fragen zum ersten Realisierungsabschnitt sind beantwortet, da wollen manche schon den zweiten beschließen. Wir schulden es den jetzigen und künftigen Anwohnerinnen und Anwohnern, dass wir Lebensqualität erhalten und schaffen. Die Verkehrsprobleme müssen ganzheitlich gelöst werden.“

Darum wird die ÖDP-Stadtratsgruppe den Aufstellungsbeschluss zum Zweiten Realisierungsabschnitt ablehnen:

1. Verkehrliche Anbindung
Es gibt noch immer keine Aussagen über die Finanzierung der U 5. Zwar haben viele den Beschluss des Bauausschusses vom 4. Februar 2020 gefeiert – doch konkret wurde nur über den Bau von Vorhaltemaßnahmen entschieden. Und von denen haben die Anwohner im 22. Stadtbezirk wahrlich zur Genüge. Ob nun das Heizkraftwerk Aubing, die Reichsautobahn, oder die sechsspurig gebauten Unterführungen in der Bergsonstraße, die Münchnerinnen und Münchner können ein Lied davon singen, dass ein Vorhaltebauwerk alleine nichts bringt.

2. Expressbusse
Wenn schon die U-Bahnanbindung in weite Ferne rückt, werden Expressbusse zwischen der U-Bahnstation Westendstraße und Freiham kurzfristig Anbindung schaffen können, beteuern viele. Diese Busse sollen nach jetziger Planung aber über den Standstreifen der A 96 geleitet werden. Die zuständige Autobahndirektion hat bisher noch keinerlei Aussagen gemacht hat, ob dies rechtlich, sicherheitstechnisch und verkehrlich überhaupt möglich wäre. Abgesehen davon ist es völlig unrealistisch, 32 000 Einwohner lediglich mit Bussen zu transportieren.

3. S-Bahnen als Entlastung
In Diskussionen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass der S-Bahnhof Aubing von den Freihamern mitgenutzt werden könnte. Der Bahnhof ist aber aus dieser Richtung sehr schlecht angebunden und wird praktisch nicht angenommen. Die S 4 ist eine der am stärksten ausgelasteten S-Bahnen, die Züge sind ständig überfüllt. Wie in anderen Stadtrandbezirken wird sich außerdem die Taktung durch den Bau der Zweiten S-Bahnstammstrecke deutlich verschlechtern. Davon genauso betroffen sind auch der S-Bahnhof Freiham und die S 8. Entlastung können die S-Bahnen daher nicht leisten.

4. Ertüchtigung der Bodenseestraße
Eine Machbarkeitsstudie zu einem möglichen Ausbau der Bodenseestraße hat bisher noch keine Ergebnisse geliefert. Die abschüssigen Randbereiche der Straße lassen es aber höchst unwahrscheinlich erscheinen, dass eine Verbreiterung realisierbar ist. Das hindert das Planungsreferat jedoch nicht daran, die bereits jetzt völlig überlastete Bodenseestraße als Erschließungsachse auszuweisen.

5. Anbindung Freiham Nord an Aubing
Seit 2016 wurde in mehreren Workshops und Stadtratsbeschlüssen dieser wichtige Anschluss thematisiert. Eine Machbarkeitsstudie konnte noch keine Lösungen aufzeigen . Nach momentanem Stand würde ein Anschluss Freiham Nords an Aubing zu einem Verkehrschaos in Aubing führen und die Lebensqualität der Anwohnerinnen und Anwohner dort drastisch verschlechtern.

6. Verkehrskonzepte Münchner Westen und 22. Stadtbezirk
Obwohl wir im Stadtrat bereits vor vielen Jahren ein schlüssiges Konzept beantragt haben, liegen diese Konzepte bis dato noch nicht vor. Die in Freiham entstehenden Verkehre betreffen nicht nur den 22. Stadtbezirk: Der ganze Münchner Westen droht im Verkehr zu ersticken. Verantwortungsvolle Stadtplanung schafft nicht einfach Fakten, sondern sucht Lösungen bevor die Bagger anrollen.

7. Klima
Freiham ist ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet, das die angrenzenden Stadtteile mit frischer Luft versorgt und eine zentrale Rolle für das Stadtklima einnimmt. Es gibt immer noch kein vertiefendes klimatisches Gutachten, obwohl dies vom örtlichen Bezirksausschuss bereits zum ersten Realisierungsabschnitt gefordert wurde. Freiham ist eines der größten Neubaugebiete Europas – wenn man sich da die Auswirkungen auf das Stadtklima nicht frühzeitig anschaut, geht der Münchner Innenstadt vielleicht schon bald die Luft aus.

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